Rezension und Interview bei Regiomusik.de

cover_wdbh Dem ersten Longplayer der vier Musiker aus Göttingen ging eine fünfjährige Bandgeschichte mit vielen Auftritten, einer Deutschland- Tour, der Veröffentlichung zweier Demo- CDs und sogar einer Live- DVD voraus. Mit “We don’t belong here” erschien 2006 schließlich ein hörenswertes Rock- Album, zu dem wir Sänger Hage einige Fragen gestellt haben.

Schon der Name des Albums lässt aufhorchen, „We don’t belong here“ – Wir gehören hier nicht hin!. Wo dann – und wie ist das gemeint? Fragt man sich und auch Sänger Hage. SEEDCAKE drücken hier ihre Erfahrungen und Erlebnisse ihres Tourlebens aus, wo doch auch hin und wieder die Einsamkeit aufkam und „man sich etwas verloren fühlt“. Aber auch musikalisch sehen sich SEEDCAKE nicht als Teil einer schnelllebigen und trendbestimmten Musiklandschaft, sonder betonen so ihren Wunsch nach Eigenständigkeit. „Wir machen das, wozu wir Lust haben und was sich richtig anfühlt und eifern keinem Hype hinterher“.

Die Melancholie deutet sich an, bestätigt sich beim ersten Hören des Albums und verfestigt sich im guten Gesang von Sänger Hage. Der Gesang wird dabei zwar nie schwulstig und übertrieben, bleibt aber emotional recht gleichförmig und man wünscht sich fast etwas mehr. Mehr Verzweiflung, mehr Wut, mehr Abwechslung. So wie bei einem textlich sehr emotionalen „People are strange“, das musikalisch und gesanglich zwar gut ist, aber einfach zu nett klingt. Hage erklärt diese Diskrepanz mit ihrer Art des Songrwriting, bei dem zuerst die Musik entsteht, die Texte er’s später dazukommen. „Es kommt immer stark darauf an, wie man sich persönlich gerade fühlt. Die besten Texte schreibe ich z.B. wenn es mir richtig beschissen geht, deshalb ist unser Schlagzeuger auch immer ein bisschen froh, wenn mal wieder eine Beziehung bei mir in die Brüche gegangen ist…“.

Ja die Lieb ist natürlich auch großes Thema auf „We don’t belong here“. „Women let me down“ spricht für sich, für die (vielen) schlechten Erfahrungen und die guten Songs die aus ihnen entstehen können. Aber SEEDCAKE sind nicht nur Melancholie und Pop, auch Rock und harte Riffs und Songs die richtig nach vorne gehen sind unter den 12 Album- Tracks zu finden. Allgemein haben SEEDCAKE während ihres Besuchs im Institut für Wohlklangforschung in Hanover ein rundes Album geschaffen, ohne Hits, aber mit vielen guten Songs. Wohlklingend ist es auch, fast schon zu radiotauglich. Etwas weniger Glätte und mehr Krach und Dynamik hätte hier und da sicher nicht geschadet.

SEEDCAKE sind mit diesem Album ganz sicher auf dem richtigen Weg, über ihre Chancen den großen Durchbruch zu schaffen, machen sie sich aber keine Illusionen: „Natürlich haben auch wir den Traum irgendwann einmal von der Musik leben zu können, aber wir geben uns da auch keinen großen Illusionen mehr hin. Reich werden kannst Du damit als Musiker heutzutage nicht mehr, da musst Du schon hinter und nicht vor das Pult“.

Immerhin arbeiten sie beim Vertrieb von „We don’t belong here“ mit den nicht ganz unbekannten Friedel Muders und dessen Online- Labe Fuego zusammen. Der Mitbegründer von Rough- Trade Deutschland, langjähriger Bandmanager und Begleiter der Guano Apes ist einer der Größen der deutschen Independent- Bewegung. „Trotz seines Erfolgs ist es aber immer noch ein Mensch, der Visionen hat und junge Bands unterstützt“, so Sänger Hage. Fuego ermöglicht SEEDCAKE den kommerziellen  Online-Vertrieb über die großen MP3-Plattformen wie Musicload und i-tunes und damit die Möglichkeit viele Hörer zu erreichen. „Wichtiger ist für uns, dass man eine Vielzahl von Menschen erreicht, die sonst nie von einem gehört hätten. Theoretisch kann sich jetzt ein peruanischer Bauarbeiter unsere Songs runterladen, das ist doch klasse! Naja, zumindest sofern er Internet Zugang hat… “.

Trotz aller Ambitionen wollen SEEDCAKE nicht den Erfolg um jeden Preis. Die Musik selbst steht im Vordergrund. Als authentischer Ausdruck, als Möglichkeit dem Alltag zu entfliehen und damit auch als eine Art „Selbsttherapie“. Dazu Sänger Hage: „Heutzutage gibt´s ja alles nur noch „to go“ oder wie das heißt. Zum Kotzen. Ich möchte lieber auch mal sitzen“. SEEDCAKE setzen auf Entschleunigjung und wollen mit ihrer Musik etwas schaffen das Bestand hat. Für sie selbst- und hoffentlich auch für andere!


Sebastian Drescher

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