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Schon der Name des Albums lässt aufhorchen, „We don’t belong here“ –
Wir gehören hier nicht hin!. Wo dann – und wie ist das gemeint? Fragt
man sich und auch Sänger Hage. SEEDCAKE drücken hier ihre Erfahrungen
und Erlebnisse ihres Tourlebens aus, wo doch auch hin und wieder die
Einsamkeit aufkam und „man sich etwas verloren fühlt“. Aber auch musikalisch sehen sich SEEDCAKE nicht als Teil einer
schnelllebigen und trendbestimmten Musiklandschaft, sonder betonen so
ihren Wunsch nach Eigenständigkeit. „Wir machen das, wozu wir Lust
haben und was sich richtig anfühlt und eifern keinem Hype hinterher“.
Die Melancholie deutet sich an, bestätigt sich beim ersten Hören des
Albums und verfestigt sich im guten Gesang von Sänger Hage. Der Gesang
wird dabei zwar nie schwulstig und übertrieben, bleibt aber emotional
recht gleichförmig und man wünscht sich fast etwas mehr. Mehr
Verzweiflung, mehr Wut, mehr Abwechslung. So wie bei einem textlich
sehr emotionalen „People are strange“, das musikalisch und gesanglich
zwar gut ist, aber einfach zu nett klingt. Hage erklärt diese
Diskrepanz mit ihrer Art des Songrwriting, bei dem zuerst die Musik
entsteht, die Texte er’s später dazukommen. „Es kommt immer stark
darauf an, wie man sich persönlich gerade fühlt. Die besten Texte
schreibe ich z.B. wenn es mir richtig beschissen geht, deshalb ist
unser Schlagzeuger auch immer ein bisschen froh, wenn mal wieder eine
Beziehung bei mir in die Brüche gegangen ist…“.
Ja die Lieb ist natürlich auch großes Thema auf „We don’t belong
here“. „Women let me down“ spricht für sich, für die (vielen)
schlechten Erfahrungen und die guten Songs die aus ihnen entstehen
können. Aber SEEDCAKE sind nicht nur Melancholie und Pop, auch Rock und
harte Riffs und Songs die richtig nach vorne gehen sind unter den 12
Album- Tracks zu finden. Allgemein haben SEEDCAKE während ihres Besuchs
im Institut für Wohlklangforschung in Hanover ein rundes Album
geschaffen, ohne Hits, aber mit vielen guten Songs. Wohlklingend ist es
auch, fast schon zu radiotauglich. Etwas weniger Glätte und mehr Krach
und Dynamik hätte hier und da sicher nicht geschadet.
SEEDCAKE sind mit diesem Album ganz sicher auf dem richtigen Weg,
über ihre Chancen den großen Durchbruch zu schaffen, machen sie sich
aber keine Illusionen: „Natürlich haben auch wir den Traum irgendwann
einmal von der Musik leben zu können, aber wir geben uns da auch keinen großen Illusionen mehr hin. Reich werden kannst Du
damit als Musiker heutzutage nicht mehr, da musst Du schon hinter und
nicht vor das Pult“.
Immerhin arbeiten sie beim Vertrieb von „We don’t belong here“ mit
den nicht ganz unbekannten Friedel Muders und dessen Online- Labe Fuego
zusammen. Der Mitbegründer von Rough- Trade Deutschland, langjähriger
Bandmanager und Begleiter der Guano Apes ist einer der Größen der
deutschen Independent- Bewegung. „Trotz seines Erfolgs ist es aber
immer noch ein Mensch, der Visionen hat und junge Bands unterstützt“,
so Sänger Hage. Fuego ermöglicht SEEDCAKE den kommerziellen Online-Vertrieb über die großen MP3-Plattformen wie Musicload und i-tunes
und damit die Möglichkeit viele Hörer zu erreichen. „Wichtiger ist für
uns, dass man eine Vielzahl von Menschen erreicht, die sonst nie von
einem gehört hätten. Theoretisch kann sich jetzt ein peruanischer
Bauarbeiter unsere Songs runterladen, das ist doch klasse! Naja,
zumindest sofern er Internet Zugang hat… “.
Trotz aller Ambitionen wollen SEEDCAKE nicht den Erfolg um jeden
Preis. Die Musik selbst steht im Vordergrund. Als authentischer
Ausdruck, als Möglichkeit dem Alltag zu entfliehen und damit auch als
eine Art „Selbsttherapie“. Dazu Sänger Hage: „Heutzutage gibt´s ja
alles nur noch „to go“ oder wie das heißt. Zum Kotzen. Ich möchte
lieber auch mal sitzen“. SEEDCAKE setzen auf Entschleunigjung und
wollen mit ihrer Musik etwas schaffen das Bestand hat. Für sie selbst-
und hoffentlich auch für andere!
Sebastian Drescher
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