"We don't belong here" bei Home of Rock
|
Neues aus Göttingen von SEEDCAKE, denen ihr heimatliches
Umfeld nicht mehr so richtig zu behagen scheint, oder wie darf man den Titel
des aktuellen Albums "We Don't Belong Here" verstehen? Dabei sagte
doch der gute Eroc (ex-Drummer von GROBSCHNITT
und für das Mastering der letzten EP "Everything's not right" der Band verantwortlich) so schön: "die Provinz
ist die Kernzelle des Landes". Und solange es hier noch so Musik wie die
von SEEDCAKE gibt, ist es hier doch gar nicht so schlecht. |
Kommen wir erst mal zum Negativen: die Stimme von Jan
"Hage" Hagerodt ist zwar angenehm, aber immer noch gelegentlich etwas
wackelig. Vielleicht hat man das absichtlich so gelassen, um eine gewisse
Brüchigkeit und Zerbrechlichkeit zu symbolisieren, aber es klingt manchmal doch
etwas unrund. Aber ansonsten beweisen SEEDCAKE, dass sie sich in Sachen
Songwriting weiterentwickelt haben (
Take
Me To The Start,
I Don't Belong Here
oder
Wreck Of A Man verfügen über
markante Hooks und eine schlüssige Melodieführung) und sich Stück für Stück in
Richtung progressivem Alternativerock ausdehnen (als gutes Beispiel dient hier
People Are Strange).
Schön ist weiterhin der Sound, der durch die Keyboards von
Fabian Walter an Fülle, Wärme und Variabilität gewinnt und der eben mehr ist,
als das sonst im Alternativebereich übliche Geschrammel. Das wirkt alles sehr
lebendig, mit den erforderlichen Haken und Ösen, ist kraft- und druckvoll
rockig und dennoch von sanft melancholischer Ausstrahlung. Kein blindes
Voranstürmen, sondern nachdenkliches Abwägen, bei aller Lust zum Saft- und
Kraftsound.
Von wegen "We Don't Belong Here" - gerade
außerhalb der hektischen Metropolen braucht man Bands wie SEEDCAKE, in deren
Musik man sich wieder finden kann, weil sie mitwächst, lebt und sich verändert.
Wertung 9/10
Autor:
Ralf Stierlen